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Pressemeldungen

Partizipation in den Kindertageseinrichtungen der Kreisstadt Bergheim- die demokratisch verfasste Kita

Wie Beteiligungsmöglichkeiten und Mitbestimmungsrechte der Kinder in den Kindertageseinrichtungen der Kreisstadt Bergheim umgesetzt werden

Seit 1992 gilt in Deutschland die UN-Kinderrechtskonvention und somit der Auftrag, freie

Meinungsbildung und Teilhabe auch in den Kindertageseinrichtungen umzusetzen. Ebenso erteilen

das Sozialgesetzbuch (SGB VIII) und das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) eindeutig den Auftrag an

die Pädagogik, in den Kindertageseinrichtungen Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten für

Kinder konzeptionell zu verankern.

Kindertageseinrichtungen sind Orte, an denen die Grundlagen für ein Leben in einer, vielfältigen

und auf Teilhabe ausgerichteten Gesellschaft geschaffen werden. Kinder bilden hier vielfach

erstmals eine Gemeinschaft mit anderen Menschen außerhalb der Familie. Sie erleben Vielfalt und

eignen sich Wissen über gesellschaftliche Regeln und Normen an.

Das Zusammenleben in unserer Gesellschaft ist u.a. ausgerichtet auf Gewaltenteilung sowie den

Schutz von Bürger- und Menschenrechten. Die

Verantwortung der Erwachsenen in der Kita kann

nicht geteilt werden, denn Entscheidungen sind immer zum Wohl des Kindes zu treffen.

Allerdings können Erwachsene sich bereit erklären, bewusst

einen Teil ihrer Macht an die

Kinder abzugeben und diesen somit in klar definierten Bereichen die Möglichkeit zu eigenen

Entscheidungen verbindlich zuzugestehen.

Um zu sichern, dass dieses in den städtischen Kindertageseinrichtungen gewährleistet ist, schulen

die Fachberaterinnen der Kreisstadt Bergheim seit 2016 die pädagogischen Fachkräfte der

städtischen Kindertageseinrichtungen nach dem Konzept „Die Kinderstube der Demokratie“. Die

„Kinderstube der Demokratie“ ist ein Beteiligungskonzept für Kindertageseinrichtungen. Es wurde

ab 2001 vom Kieler Institut für Partizipation und Bildung (IPB) in mehreren Modellprojekten in

enger Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen entwickelt.

Drei Säulen der Demokratiebildung werden hierbei gemeinsam mit den Teams erarbeitet:

- Die Erarbeitung und Umsetzung eines Beteiligungsprojektes

- Die Erarbeitung und Umsetzung eines Beschwerdeverfahrens

- Die Erarbeitung und Umsetzung einer Kita-Verfassung

Grundvoraussetzung für eine auf Teilhabe und Mitbestimmung ausgerichtete

Kindertageseinrichtung ist, dass die Erwachsenen sich selbst und den Kindern die Partizipation

zutrauen. Hier ist in der Vergangenheit viel Überzeugungsarbeit geleistet worden. Letztendlich hat

sich jedoch jede Kita gerne der Herausforderung gestellt, denn der Mehrwert für die pädagogische

Arbeit in der Kita, wenn diese partizipatorisch gestaltet wird, ist besonders für die Entwicklung der

Kinder überragend. Auch Teamprozesse werden angestoßen und führen zu einem äußerst

intensiven Austausch der einzelnen Teammitglieder untereinander. Viele Alltagsdinge kamen auf

den Prüfstand, Haltungen wurden überdacht und verändert. Die Kinder müssen wissen, worüber

sie jeweils selbst entscheiden; das ist Selbstbestimmung. Und sie müssen wissen, was sie

gemeinsam mit anderen Kindern und Erwachsenen entscheiden; das ist Mitbestimmung. Hierfür

ist ein ernster und wertschätzender Dialog auf Augenhöhe notwendig, um gemeinsam mit den

Kindern deren Lebenswelt zu gestalten.

Ziel des Prozesses ist, die Beteiligungsmöglichkeiten der Kinder in allen sie betreffenden

Belangen verbindlich festzuschreiben. Dazu setzen sich die pädagogischen Fachkräfte mit

folgenden Fragestellungen auseinander:

In welchen Bereichen bin ich bereit, Macht abzugeben und in welchen nicht?

Wo können die Kinder auf jeden Fall (mit)bestimmen?

Wo können die Kinder auf keinen Fall (mit)bestimmen?

Die verschiedenen Formen von Partizipation stellen keine Alternativen zueinander dar, sondern

sind als einzelne Bausteine einer demokratisch verfassten Kita zu verstehen. Partizipation in den

städtischen Kindertageseinrichtungen ist eine Frage des „Wie“ und nicht des „Ob“. Die

Umsetzung erfordert manchmal kreative Wege, denn alle Kinder sollen partizipieren. Sie hat

jedoch immense Auswirkungen. Kinder sammeln im geschützten pädagogischen Raum der

Kindertageseinrichtung erste Erfahrungen mit Mitbestimmung und erlangen die Fähigkeit zu

gemeinschaftlichem Handeln. Sie verstehen, wie Meinungsbildungsprozesse erfolgen und wie

Entscheidungen getroffen werden können. Sie lernen, dass sie für ihre eigene Lebenswelt

zuständig und verantwortlich sind. Dadurch erleben sie sich als selbstwirksam und wertgeschätzt.

Sie erfahren, dass unterschiedliche Interessen bestehen können und halten es leichter aus, dass sie

sich nicht immer mit ihren eigenen Interessen durchsetzen können. Sie werden offen gegenüber

der Meinung anderer Menschen und lernen ihre eigene Meinung zu vertreten. Ihre Erfahrungen in

der Kita können sie in ihre Lebenswelt außerhalb der Kita übertragen.

Die städtischen Kindertageseinrichtungen haben sich auf den Weg gemacht und befinden sich im

Prozess, den Kindern die Rechte, die ihnen gesetzlich zustehen, zuzusichern.

UN-Kinderrechtskonvention

Übereinkommen über die Rechte des Kindes

UN-Kinderkonvention, Artikel 12

[Berücksichtigung des Kindeswillens]

„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind,

das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das

Recht zu, diese Meinung

in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern und

berücksichtigen die Meinung des Kindes

angemessen und entsprechend seinem Alter und

seiner Reife

.“

Sozialgesetzbuch (SGB)

Achtes Buch – (VIII) Kinder- und Jugendhilfe, § 45

[Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung]

„(2) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn das Wohl der Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung

gewährleistet ist. Dies ist in der Regel anzunehmen, wenn

[…]

3. zur

Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in der Einrichtung geeignete

Verfahren der Beteiligung

sowie der Möglichkeit der Beschwerde in persönlichen

Angelegenheiten Anwendung finden.“

Datum: 18.09.2019

Auskunft erteilt:

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation, Bürgerbeteiligung

Christina Conen

Telefon: 02271- 89 651

E- Mail: christina.conen@bergheim.de

Fachauskunft erteilt:

Abteilung 5.1, Kinder-, Jugend- und Familienförderung

Doris Ungermann (Abteilungsleiterin)

Telefon: 02271 / 89 444

E-Mail: doris.ungermann@bergheim.de

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