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Jugendgerichtshilfe bzw. Jugendhilfe im Strafverfahren

Jugendgerichtshilfe (JGH) bzw. Jugendhilfe im Strafverfahren

Zuerst erwischt werden ... dann der Stress mit der Polizei ... und dann auch noch Post von der Staatsanwaltschaft: ein Jugendstrafverfahren ist eröffnet worden ...
 
Ärger, Unsicherheit, Angst. Was nun?!
 
Nach einer begangenen Straftat wird man heutzutage sicherlich nicht mehr an die Eisenkugel gekettet, aber dennoch passiert einiges und der Arm des Gesetzes hält einen im Griff. Junge Menschen zwischen 14 und 20 Jahren werden in diesem Falle durch die Jugendgerichtshilfe (JGH) des Jugendamtes beraten und begleitet. Die JGH ist automatisch über den gesamten Zeitraum am Verfahren beteiligt.

1. Was macht die Jugendgerichtshilfe?

Die JGH begleitet Jugendliche (14 bis 17 Jahre) und junge Erwachsene (18 bis 20 Jahre) vor, während und nach dem Jugendstrafverfahren. Dabei ist sie weder Verteidiger noch Ankläger des Betroffenen - sie nimmt eine neutrale Position ein! Sie erfüllt folgende Doppelfunktion:

  • Hilfen für den straffällig gewordenen Jugendlichen oder Heranwachsenden
  • Die JGH informiert über die Abläufe, die rechtliche Folgen und erklärt wie es weiter geht
  • Die JGH bereitet den Betroffenen auf die Hauptverhandlung vor
  • Die JGH bespricht mögliche Lösungen und gerichtliche Maßnahmen
  • Die JGH berät und leistet Hilfestellungen bei Problemen mit Familie, Schule, Arbeit etc.
  • Die JGH wirkt erzieherisch auf den jungen Menschen ein
  • Die JGH berät über mögliche Maßnahmen der Jugendhilfe
  • Die JGH arbeitet mit Eltern und Lehrern zusammen und berät diese, wenn nötig
  • Die JGH wirkt mit bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft
  • Die JGH besucht Betroffene in Untersuchungs- oder Strafhaft
  • Die JGH führt teilweise Weisungen oder Auflagen selber durch oder vermittelt und überwacht diese Vermittlung zwischen dem Betroffenen und dem Gericht
  • Die JGH hat im Jugendgerichtsverfahren ein Mitwirkungsrecht
  • Die JGH soll im Verfahren die persönlichen, familiären, sozialen, schulischen oder beruflichen Gesichtspunkte zur Geltung bringen
  • Die JGH kann vor Gericht geeignete erzieherische Maßnahmen und Hilfen vorschlagen
  • Die JGH hat die angeordneten Weisungen und Auflagen des Gerichtes einzuleiten und zu überwachen

2. Welche Gesetze finden Anwendung?

Gerichtsverfahren gegen Jugendliche (zwischen 14 und 17 Jahren) sowie gegen Heranwachsende (zwischen 18 und 20 Jahren) unterliegen den besonderen Vorschriften des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) und des Kinder- und Jugendhilfe Sozialgesetzbuch SGB VIII.

Das JGG unterliegt dem Erziehungsgedanken, da die Straftaten junger Menschen meist entwicklungsbedingt sind und oft aus altersbedingten Konfliktsituationen resultieren. Sowohl der Ablauf der Verhandlung als auch die Ahndung der Straftat folgen diesem Gedanken. Bei jungen Menschen unter 21 Jahren möchte das Gericht also nicht nur strafend, sondern auch erzieherisch auf den Straftäter einwirken.

§ 38 JGG - Jugendgerichtshilfe

(1) Die Jugendgerichtshilfe wird von den Jugendämtern im Zusammenwirken mit den Vereinigungen für Jugendhilfe ausgeübt.
(2) Die Vertreter der Jugendgerichtshilfe bringen die erzieherischen, sozialen und fürsorgerischen Gesichtspunkte im Verfahren vor den Jugendgerichten zur Geltung. Sie unterstützen zu diesem Zweck die beteiligten Behörden durch Erforschung der Persönlichkeit, der Entwicklung und der Umwelt des Beschuldigten und äußern sich zu den Maßnahmen, die zu ergreifen sind. In Haftsachen berichten sie beschleunigt über das Ergebnis ihrer Nachforschungen. In die Hauptverhandlung soll der Vertreter der Jugendgerichtshilfe entsandt werden, der die Nachforschungen angestellt hat. Soweit nicht ein Bewährungshelfer dazu berufen ist, wachen sie darüber, daß der Jugendliche Weisungen und Auflagen nachkommt. Erhebliche Zuwiderhandlungen teilen sie dem Richter mit. Im Fall der Unterstellung nach § 10 Abs.1 Satz 3 Nr.5 üben sie die Betreuung und Aufsicht aus, wenn der Richter nicht eine andere Person damit betraut. Während der Bewährungszeit arbeiten sie eng mit dem Bewährungshelfer zusammen. Während des Vollzugs bleiben sie mit dem Jugendlichen in Verbindung und nehmen sich seiner Wiedereingliederung in die Gemeinschaft an.
(3) Im gesamten Verfahren gegen einen Jugendlichen ist die Jugendgerichtshilfe heranzuziehen. Dies soll so früh wie möglich geschehen. Vor der Erteilung von Weisungen (§ 10) sind die Vertreter der Jugendgerichtshilfe stets zu hören; kommt eine Betreuungsweisung in Betracht, sollen sie sich auch dazu äußern, wer als Betreuungshelfer bestellt werden soll.

§ 52 Kinder- und Jugendhilfe Sozialgesetzbuch (SGB) VIII

Mitwirkung in Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz
(1) Das Jugendamt hat nach Maßgabe der §§ 38 und 50 Abs. 3 Satz 2 des Jugendgerichtsgesetzes im Verfahren nach dem Jugendgerichtsgesetz mitzuwirken.
(2) Das Jugendamt hat frühzeitig zu prüfen, ob für den Jugendlichen oder den jungen Volljährigen Leistungen der Jugendhilfe in Betracht kommen. Ist dies der Fall oder ist eine geeignete Leistung bereits eingeleitet oder gewährt worden, so hat das Jugendamt den Staatsanwalt oder den Richter umgehend davon zu unterrichten, damit geprüft werden kann, ob diese Leistung ein Absehen von der Verfolgung (§ 45 JGG) oder eine Einstellung des Verfahrens (§ 47 JGG) ermöglicht. (3) Der Mitarbeiter des Jugendamts oder des anerkannten Trägers der freien Jugendhilfe, der nach § 38 Abs. 2 Satz 2 des Jugendgerichtsgesetzes tätig wird, soll den Jugendlichen oder den jungen Volljährigen während des gesamten Verfahrens betreuen.

3. Welche Konsequenzen erwarten mich ggf. ?

Im Falle einer Verurteilung spricht das Gericht Weisungen oder Auflagen gegen den jungen Straftäter aus. Dabei werden die folgenden Weisungen oder Auflagen von der JGH angeboten, vermittelt oder auch überwacht:

Sozialdienst
unbezahltes Arbeiten in einer gemeinnützigen Organisation


Betreuungsweisungen
zeitlich begrenzte, jedoch regelmäßige Kontakte zur JGH, in denen gemeinsam Hilfestellungen in schwierigen Lebenssituationen erarbeitet werden sollen, in denen jedoch auch gemeinsame Aktivitäten unternommen werden können


Sozialer Trainingskurs
ein zeitlich begrenzter Kurs, in welchem den jungen Menschen soziale Verhaltensweisen und Regeln vermittelt werden um in der Gesellschaft zurecht zu kommen


Täter-Opfer-Ausgleich
zwischen Täter/Täterin und Opfer wird versucht ein gemeinsames Verständnis füreinander zu schaffen um den Konflikt zu lösen


Verkehrskurs
ein zeitlich begrenzter Kurs, in dem den jungen Menschen notwendige Verhaltensweisen im Straßenverkehr vermittelt werden


Schadenswiedergutmachung
der entstandene Schaden soll durch den Täter beglichen werden